|
Kopfmensch und mediale Tierkommunikation
Teilnahme an einem Seminar mit überraschendem Ausgang
Meine Frau sagt, ich sei ein Kopfmensch. Was ich nicht begreife, existiere für mich nicht. So endeten nicht selten kleine Reibereien zwischen uns, kommen auch noch jetzt, aber seltener vor.
Es begann vor mehr als 20 Jahren, als meine Frau anfing, sich für alternative Medizin, bzw. alternative Behandlungsmethoden zu interessieren. Mit einem Mal stand ein Arsenal von kleinen Fläschchen mit Bachblüten in unseren Arzneimittelvorräten, die sie gleich an mir austesten wollte. Dann ging sie zu einer „Heilerin“, die ihren Körper mit bioenergetischer Kraft und Handauflegen von Blockaden befreite. So ging das eine Weile mit anderen neuen Methoden weiter.
Für mich war das eher nervig. Aber als guter Ehemann geht man ja auf seine Frau ein. Und so wiederholte diese an mir, was sie in vielen Sitzungen an sich selbst erfahren hatte.
Ich musste ja zugeben, dass meine Frau seit einiger Zeit sehr viel ruhiger und ausgeglichener war und auch die Bachschen Notfalltropfen bei kleinen Schnittwunden bei mir eine ungewöhnlich schnelle Heilung brachten, aber das konnte ich mir einfach nicht erklären. Die Schulmedizin antwortete auf meine Frage mit der Wirkung von Placebos.
Da ich in dieser Phase sehr unter Stress litt mit entsprechend schlechter körperlicher Konstitution, gab ich meiner Frau nach und ging auch zu dieser Heilerin. Diese entpuppte sich als eine ganz normale Hausfrau, ohne Allüren oder esoterischem Gehabe. Sie erklärte etwa so: „Ich weiß auch nicht, was da vor sich geht, aber mein Sohn litt unter starken asthmatischen Anfällen und kein Arzt, kein Medikament half. Ich bemerkte aber eines Tages, dass mein Sohn ganz ruhig wurde, wenn ich ihn streichelte. Ich tat dies nun gezielt und systematisch. Meinem Sohn ging es schnell besser und sein Zustand ist heute ganz normal.“
Nach zwei Sitzungen hatte auch ich mein seelisches Gleichgewicht wieder gefunden.
Von da ab habe ich meiner Frau in den Gesprächen über ihre Erfahrungen mit dem für mich Unerklärlichen aufmerksamer zugehört.
Ein paar Jahre später, wir lebten in Italien und hatten uns aus Spanien einen Hund, einen Podenco, aus einem Tierheim mitgebracht. Wir glaubten aus Tierliebe zu handeln und wussten nicht, auf was wir uns da eingelassen hatten. Der Hund war einfach zu wild für uns älteren Leute. Wir wandten uns an die Organisation „Podenco in Not“ und baten um Hilfe, die wir auch professionell erhielten.
Nun hatten wir auch eine Katze, der es sehr schlecht ging. Sie hatte tagelang Probleme Wasser zu lassen und hatte sich außerdem mit Katzenaids infiziert. Der Tierarzt diagnostizierte auch Harnwegssteine und empfahl einen chirurgischen Eingriff. Meine Frau erinnerte sich, dass es bei „Podenco in Not“ eine Tiertherapeutin geben sollte, die die Gabe haben sollte, mit Tieren kommunizieren zu können. Sie rief diese Frau, mit der Bitte um Hilfe an. Diese erbat ein Foto und ein paar Katzenhaare.
Die Therapeutin rief dann an, sie habe mit Takis Kontakt aufgenommen und ihn zusätzlich „radionisch“ unterstützt und es müsse sich in der nächsten Zeit etwas tun. Es dauerte nur ein paar Minuten, dass unser Kater laut miauend in sein Katzenklo ging und es ergoss sich eine nicht endende Wasserpfütze in den Sand.
Nur wenige Wochen später ging es unserem Takis erneut schlecht. Sein Fell sah zum Erbarmen aus. Dann war er plötzlich verschwunden. Alles Rufen, alles Suchen half nicht, was sonst nie vorkam. Wir befürchteten das Schlimmste. Also Anruf bei obiger Therapeutin, sie möge doch Kontakt aufnehmen. Sie rief dann zurück: Takis habe ihr erklärt, er habe sich zurückgezogen, um zu gehen, er spürte, dass wir ihn nicht loslassen wollten und es uns der Abschied sehr schwer fiele.
Sie habe ihn gebeten, zurückzukehren, um sich zu verabschieden, was er auch versprochen habe.
Die Dame hatte noch nicht ganz aufgelegt, da klapperte das Katzentürchen und Takis legte sich in sein Körbchen. Wir hatten das Gefühl, er schaute uns vorwurfsvoll an, aber wir waren froh, dass er bei uns war und schließlich in seinem Korb friedlich einschlief und sich nicht irgendwo verkrochen hatte. Der Abschied fiel natürlich sehr schwer, aber so war es dennoch leichter für uns.
Wir hatten in der folgenden Zeit mehrere Male Gelegenheit, Gespräche mit Frau Sauerland, der Therapeutin, zu führen. Sie beschrieb uns, wie sie eines Tages an sich entdeckt habe, mit Tieren kommunizieren zu können, von ihren ungezählten Beispielen, verlorene Tiere wiedergefunden, verhaltensauffällige Tiere therapiert, gestörte Beziehungen zwischen Tier und Halter wieder hergestellt zu haben. Dabei ging es nicht nur um Hunde, Katzen oder Pferde. Das ging hin bis zu Schildkröten und Wildtieren.
Ich habe bei diesen Gesprächen große Schwierigkeiten gehabt ernst zu bleiben, da mir viele Erzählungen einfach zu fantastisch und nicht nachvollziehbar waren. Da es sich aber bei Frau Sauerland zwar um eine sensible, aber direkte, realistische Frau handelt, die keine esoterischen Anwandlungen verbreitet oder sich irgendwelchen übernatürlichen Konstellationen zugehörig fühlt, bin ich doch nachdenklich geworden.
Das wurde verstärkt durch eine mehrmonatige Reise durch Australien, bei der ich Gelegenheiten hatte, mit Aborigines zu sprechen. Für sie ist die mediale Kommunikation mit Menschen und Tieren über weite Entfernungen, ohne sich zu sehen, eine Normalität. In ihrer über 40.000 - jährigen Tradition hat dieses Volk solche Fähigkeiten immer praktiziert. Diese gehen aber durch Zivilisierung immer mehr verloren.
Auf der anderen Seite hatte aber auch meine Skepsis zugenommen, nachdem ich von Tierflüsterern gelesen oder Filme über sie gesehen hatte, die für mich nicht überzeugend waren. Meine Einstellung war also schwankend.
Dann las ich vor einigen Wochen in einer Tierzeitschrift eine Ankündigung, dass Frau Sauerland Seminare über Tierkommunikation abhält. In dem speziell angebotenen Seminar konnten Tierhalter ihre Tiere mitbringen.
Da ich mir solche „Gespräche“ immer noch nicht vorstellen konnte: in welcher Sprache sollten diese stattfinden? werden Bilder vermittelt? wie wird so etwas übersetzt oder interpretiert? etc., habe ich mich angemeldet, um die Angelegenheit einmal live zu erleben. Ich war sehr neugierig, was da auf mich zukommt. Wie würden die anderen Teilnehmer mit dem Thema umgehen?
Es handelte sich um ein Wochenendseminar, alle Teilnehmer hatten Haustiere: Hunde, Katzen oder Pferde. Alle hatten auf die eine oder andere Weise Probleme mit ihren Tieren und suchten nach den Ursachen, bei sich oder beim Tier.
Frau Sauerland machte deutlich, dass Kommunikation mit Tieren natürlich möglich ist, aber sicherlich nicht auf die Schnelle in einem Tagesseminar vermittelt werden kann. Wichtigste Voraussetzung, diese Fähigkeit zu entwickeln, ist für sie: der Respekt vor dem Tier sowie die Akzeptanz seiner Individualität und Persönlichkeit.
In den zwei Tagen wurden von Tierhaltern autorisierte und nachweisliche Kommunikationen vorgetragen. Die Inhalte waren immer wieder verblüffend, leider teilweise auch traurig. Es wurden gedankliche „Reisen“ unternommen, Partnerschaftsübungen durchgeführt. Erstaunlich häufig konnten die Gedanken des „Gegenüber“ nachvollzogen werden.
Für alle Teilnehmer, ohne Ausnahme, hat das Seminar ihre Beziehung zu ihrem Tier intensiver gemacht. Alle wollen in Workshops weitermachen und sind überzeugt, dass mediale Kommunikation mit Tieren möglich ist.
Ich selbst bin natürlich auch beeindruckt, nicht nur von der Seriosität der Referentin und dem eigenen Erlebnis der Übungen, aber der Kopf macht noch nicht so richtig mit. Vielleicht geht es ihm nach dem nächsten Seminar besser. (Heiner Dumpe / Basis-Wochenendseminar)
|