|
Erfahrungsbericht mit zwei Mittelmeererkrankungen bei meinem Hund Miró
Mit bernsteinfarbenen Augen schaute mich der kleine Hund an. Seine lustigen Fledermausohren waren halb aufgerichtet. Ich war von ihm auf Anhieb begeistert und entschloss mich sofort, ihn zu adoptieren. Er war etwa 40 Zentimeter hoch, schwarz- und kurzhaarig, sieben Monate jung. Genauso hatte ich mir meinen künftigen vierbeinigen Gefährten vorgestellt. Ich hatte mich aufgrund einer Zeitungsanzeige gemeldet, in der das junge Tier angeboten wurde. Der Hund trug noch einen Halstrichter, denn er war kurz zuvor kastriert worden.
„Rio“ sei aus Frankreich von einem Bauernhof, erklärte mir die Tierärztin, die „Rio“ im Auftrag eines Tierschutzvereins eines Dorfes in der Nähe von Landau in Rheinland-Pfalz vermittelte.
Zwei Tage später, nachdem ihm sein Halstrichter abgenommen worden war und sich die Tierärztin sowie der erste Vorsitzende des Vereins das künftige Zuhause des Tieres angeschaut hatten, konnte ich den kleinen Vierbeiner am 11. Februar 2003 mit nach Hause nehmen.
Ich entschied mich dafür, dem Hund den Namen Miró zu geben, nach dem spanischen Künstler, obwohl ich damals noch gar nicht wissen konnte, dass er eigentlich aus Spanien stammte.
Wieso hatte mir dann die vermittelnde Tierärztin erzählt, dass der Hund aus Frankreich komme, fragte ich mich. Der Mann, der ihn von Andalusien mitgebracht und dort aus sehr schlechter Haltung an der Kette befreit hatte, meldete sich telefonisch bei mir u nd wollte wissen, wie es seinem kleinen Schützling geht.
Leider konnte ich nicht nur Positives berichten, denn die Kastrationswunde hatte sich entzündet und eiterte; die Tierärztin des vermittelnden Vereins hatte es versäumt, einen Faden zu entfernen. Dies tat sie dann zwar, als ich sie mit dem Hund wieder aufsuchte, sah jedoch zur Behandlung der Wunde keinen weiteren Handlungsbedarf, sondern meinte lediglich, der Hund reagiere auf den Faden allergisch.
Da Miró, wie ich feststellen konnte, auch von Würmern heimgesucht wurde, suchte ich eine Tierarztpraxis an meinem Wohnort Speyer auf. Die Kastrationswunde wurde dort erfolgreich behandelt und eine intensive Wurmkur durchgeführt. Ich war nun der Überzeugung, dass Miró gesund sei.
Doch leider war dies nicht der Fall. Der Hund litt unter einer chronischen, eitrigen Bindehautentzündung, die auf verschiedene Augentropfen nicht angesprochen hatte, unter starker Schuppenbildung und einer Ausdünnung der Körperbehaarung. Etwa zwei Tage nach einer dreiwöchigen Behandlung mit antibiotischen Augentropfen zeigte sich die Entzündung wieder mit eitrigem Ausfluss. Auf einmal entdeckte ich zusätzlich noch rote Flecken am Bauch und harte Pusteln in der Innenseite der Ohren des Hundes. Ausserdem bekam das Tier trotz angeblicher Impfung der vermittelnden Tierärztin den gefürcht eten Zwingerhusten, der hoch ansteckend ist und eine chronische Entzündung der Vorhaut.
Inzwischen hatte ich im Internet über Hunde aus Spanien recherchiert und war auf die Seite „Podenco in Not“ gestossen.
Dort las ich die Informationen über Mittelmeerkrankheiten. Ich schrieb mir die Namen der vier Krankheiten auf ein Blatt Papier und ging damit zu der Tierärztin in Speyer, die Miró behandelte. Sie meinte, dass höchstens Leishmaniose in Frage kommen könne. Daher ließ ich den Hund nur auf Leishmaniose testen. Der Test war positiv mit einem glücklicherweise noch geringen Antikörper (Titer 1:100). Miró wurde mit Allopurinol behandelt, einem Mittel, das die Leishmanien, das sind Blutparasiten, die über den Stich einer im Mittelmeerraum vorkommenden Sandmücke übertragen werden, in ihrem Wachstum hemmen sollen.
Über das Internet informierte ich mich über diese Krankheit und erhielt von Frau Gabriele Sauerland von Podenco in Not die Internetadresse und die Telefonnummer von Dr. Torsten Naucke, ein Naturwissenschaftler und Parasitologe, der den Verein Parasitus Ex gegründet hatte.
Von Frau Sauerland und Dr. Naucke bekam ich ausführliche Informationen über Leishmaniose, einer schweren Haut- und Organkrankheit mit hoher Todesrate. Glücklicherweise war Mirós Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten, dass er eine Chemotherapie, wie von Dr. Naucke geschildert, benötigte, eine sehr kostenintensive und aufwändige Behandlung.
Vier Wochen später wurde Miró erneut getestet. Dieses Mal ließ ich ihn auf alle Mittelmeerkrankheiten testen, da ich nun noch skeptischer geworden war. Der Test auf Leishmaniose war glücklicherweise negativ (nach erfolgter Behandlung mit Allopurinol), auf Babesiose und Dirofilaria ebenfalls. Nur bei Ehrlichiose war der Test deutlich positiv. Bei dieser Erkrankung werden die weißen Blutkörperchen von Einzellern befallen und dadurch eine Immunschwäche bewirkt. Diese Krankheit wird durch Zecken, die im Mittelmeerraum vorkommen, übertragen. Daher kam wohl auch die Immunschwäche des Hundes gegenüber Infektionskrankheiten.
Ich hatte inzwischen noch einen weiteren Tierarzt hinzugezogen und erfuhr von ihm, dass der Hund drei Wochen mit einem Antibiotikum (Doxycyclin) gegen die Ehrlichia canis behandelt werden müsse. Dies stellte ich mir ziemlich einfach vor. Es war es aber nicht. Selbstverständlich wollte Miró die bitteren Tabletten nicht schlucken. Ich versteckte sie also in Leberwurstkügelchen oder Käsehäppchen. Doch Miró merkte den Betrug, schluckte Leberwurst und Käse und spie die Tabletten aus. Mischte ich sie in sein Futter, verschmähte er es. Gab ich ihm die Tabletten zwangsweise ein, indem ich sie ihm auf die Zunge legte und dann das Mäulchen zuhielt, so dass er schlucken musste, erbrach er spätestens nach einer Viertelstunde. Alles war vergebens. Ich verzweifelte schier. Wieder ging ich mit ihm zum Tierarzt. Mit Hindernissen, denn kaum hatte ich die Tür zur Praxis mit dem Hund passiert, machte Miró eine Kehrtwendung und war wieder draussen. Ohne Leine wäre er sicher über alle Berge gewesen. Zu seinem Leidwesen bekam er dann Spritzen mit dem Antibiotikum Amoxcillin.
Nach dem Rat von Frau Sauerland gab ich dem Hund anschliessend drei Monate täglich ein spezielles Immunaufbaupräparat, mit dem in Spanien bei der Behandlung von Mittelmeerkrankheiten gute Erfahrungen gemacht worden waren.
Frau Sauerland hat mir auch viel seelischen Beistand am Telefon und per E-Mail geleistet, denn oft war ich am Verzweifeln. Auch mein Körper hielt der Belastung nicht stand. Ich bekam eine Magenschleimhautentzündung.
Die Behandlung des Hundes mit Allopurinol und Amoxcillin fand in den Sommermonaten Juli und August 2003 statt. Am 24. November 2003 wurde ihm erneut Blut abgenommen, wie ich heute von der behandelnden Tierärztin erfahren habe, ist Mirós Wert bei der Leishmaniose zum Glück nach wie vor negativ, bei der Ehrlichiose nach wie vor positiv, trotz der hohen Dosierung von Antibiotika. Der Titer werde langsam sinken, wurde mir erklärt.
Die Leishmaniose, also die bei weitem gefährlichere Erkrankung, wurde nach der Behandlung zwei Mal negativ getestet, scheint also besiegt zu sein. Also, ein insgesamt sehr erfreuliches Ergebnis. Mir fiel sozusagen ein Stein vom Herzen.
Im Raum steht noch die große finanzielle Belastung in Form der Tierarztkosten. Sowohl die Tierärztin, die mir Miró im Auftrag des Tierschutzvereins bei Landau vermittelte, als auch der Verein sind nicht bereit, mir bei den Behandlungskosten von Miró entgegen zu kommen, so dass ich rechtliche Schritte einleiten musste.
Besonders fatal ist, dass diese Tierärztin einen kranken Hund kastriert und angeblich auch geimpft hat. Seriöse Tierschutzvereine, wie zum Beispiel „Podenco in Not“ testen alle Hunde auf Mittelmeerkrankheiten, bevor sie vermittelt werden. Dies gilt auch für Hunde, die von der deutschen Tierärztin Dr. Dorothea Fritz bei Neapel an deutsche Tierheime geschickt werden.
Der Tierschutzverein in Speyer hat schon viele dieser Hunde vermittelt, ohne dass eine einzige Beschwerde gekommen wäre. Die Tiere sind alle gesund, entwurmt, geimpft und negativ auf Mittelmeerkrankheiten getestet. Auch eine Nachfrage beim Tierheim Schwandorf in Bayern, auf dessen Seite ich beim Recherchieren im Internet zufällig gekommen bin, ergab, dass dort ebenfalls alle Hunde, die aus dem Mittelmeerraum kommen, auf die dort vorkommenden Krankheiten getestet werden. „Wir wollen doch keine böse Überraschung erleben und den Leuten kranke Tiere vermitteln“ meinte eine Mitarbeiterin des Schwandorfer Tierheims entschieden.
Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich wohl besser einen Hund aus dem Speyerer Tierheim oder von Podenco in Not genommen hätte. Ich war jedoch der Meinung, von einer Tierärztin einen gesunden Hund zu bekommen. Hinterher ist man immer schlauer. Und jetzt kann ich Miró doch nicht mehr hergeben.
Er ist so ein lieber, freundlicher Hund mit einem sehr guten Charakter. Jetzt geht es ihm wieder richtig gut. Er rennt und spielt, wie es für einen jungen Hund ganz normal ist und liegt nicht mehr apathisch auf seiner Decke und lässt das Leben an sich vorüberziehen.
Anm.: Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Autorin Christa K. für ihre offenen Worte, die sicherlich die Verzweiflung eines Betroffenen schildern. Erfreulicherweise hat Miró alles gut überstanden und sich, wenn auch verzögert, zu einem ‘normalen’, lebhaften Hund entwickelt.
|