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SCHWERER START INS LEBEN
Meine Begegnung mit dem Thema Tierkommunikation beschränkte sich bis zum Mai 2007 auf Berichte und zarte Randerfahrungen, meist im Zusammenhang mit mehr oder weniger fragwürdigen Trittbrettfahrern, die in meinem Tierhalterumfeld für Furore sorgten.
Da liessen sich Pferdehalter auf einen Stundenlohn von bis zu € 250 ein, damit jemand durch Hand-Auflegen dem Pferd wieder auf die Sprünge half. Meistens handelte es sich um Pferde, die aus irgendwelchen nicht oder nur schlecht recherchierten Gründen nicht mehr „funktionierten“, aber auch bissige oder völlig verzogenen Hunde wurden mit magnetisierten Handschuhen nach ihren Problemen befragt.
Die scheinbaren Aussagen der Vierbeiner waren, praktischerweise, stets im Sinne der Besitzer.
Selbst eher in der Schulmedizin angesiedelt, habe ich derlei „esoterischen Kram“ stets weit von mir gewiesen und mich häufig darüber lustig gemacht.
Auch das Wort Tierkommunikation an sich beinhaltete für mich keineswegs etwas, was ich nicht auch täglich betreibe... ich weiß, wann es den Hunden oder Pferden schlecht geht, oder was sie sich in manchen Momenten wünschen oder warum sie mir mit gezielten Aktionen etwas vermitteln.
Ich kenne meine Tiere sie und weiß, wann ihnen was fehlt. Lässt man sich auf sie ein und verbringt viel Zeit mit Ihnen – jedenfalls mehr Zeit als die obligatorischen zwei Stunden im Reitverein - dann bemerkt man schnell, das etwas nicht in Ordnung ist und kann gemeinsam mit dem Tierarzt Lösungen suchen, sollten Probleme auftauchen. Die Tiere sagen es einem, wenn man zuhört.
Meine erste mich berührende Berührung mit Tierkommunikation, die ich ab jetzt Medialog nennen möchte, geschah im Rahmen einer Tierschutzaktion, in der eine ausgebüxte spanische Hündin mit Hilfe eines Medialogs zur vorübergehenden Rückkehr in das ihr nicht willkommene Zuhause und zu den angsteinflößenden Menschen bewegt werden konnte.
Frau Sauerland, die ich kurz zuvor über den Verein Podenco in Not kennenlernte, hatte nach nervenaufreibenden Tagen der Unsicherheit die Hündin erreichen können. Da ich nicht weit entfernt lebe und die Hündin dort nicht weiter leben wollte, bin ich eingesprungen, um die Kleine zunächst abzuholen und aufzunehmen.
Die damaligen Besitzer, beide sehr gut zu Tieren eigentlich aber absolut gehörlos und unter Selbstüberschätzung leidend, waren trotz erheblicher Differenzen mit Frau Sauerland sehr beeindruckt von der Art und der Wirkung des Medialogs, denn Frau Sauerland hatte das Ehepaar telefonisch aus einer Entfernung von über 800 km zur entlaufenen Hündin ‚geführt‘ und so das Einfangen möglich gemacht.
Diese Erfahrung weckte in mir den Wunsch, mehr zu erfahren, vielleicht sogar mehr zu verstehen.
Die „kleine“ Hündin, die ich damals abgeholt hatte, hat unseren Haushalt natürlich nicht mehr verlassen, was sie zu dem Zeitpunkt sicherlich schon wusste, aber es dauerte zwei Wochen, bis ich das auch endlich verstanden hatte.
Mittlerweile ist sie ein ganz Große in jeder Beziehung und seit den Ereignissen vor über einem Jahr haben wir eine Beziehung wie Lucky Luke und sein Schatten.
Diese kleine Einleitung war notwendig um zu verstehen, warum ich überhaupt den Medialog als Hilfe in der Not angesehen habe und mittlerweile auch bei kleineren Veränderungen, die ich mir auf meiner Ebene nicht erklären kann, in Anspruch nehme.
Am 29.04.2007 kam in meinem kleinen Fohlenstall ein zauberhaftes Stutfohlen zu Welt, dass Cantenja heißen wollte. Ihre Mutter Pauline zählt zur strengen Sorte, ich nenne das immer „sie führt ihr Fohlen eng“. Pauline ist sehr selbstständig. Fohlt allein und möchte dass auch so, besteht darauf, dass das Fohlen stets an ihrer linken oder rechten Seite in Höhe ihrer Flanke bleibt und holt es sofort zurück, wenn es sich zu weit entfernt. Selbst später, wenn das Fohlen schon einige Monate alt ist, darf es sich auch auf der großen Weide nicht allzu weit von der Mutter entfernen.
So konnte es auch passieren, dass sie am dritten Lebenstag Cantenjas-Carezza beim Wälzen auf dem Paddock ihrer brav an der Seite wartenden Tochter mit einem Tritt den Schädel brach.
Sie traf die fragile Stelle über dem linken Auge und zertrümmerte Cantenja die Orbita. Durch den großen Druck, den die sofort einsetzenden traumabedingte Schwellung erzeugte, wurde das ansonsten unverletzte Auge aus seiner Höhle gedrückt und hing einige Zentimeter heraus und herunter. Der im Augenhintergrund liegende Fettpfropf war vollständig vorgefallen.
Als ich die Verletzung bemerkte – glücklicherweise sehr schnell – musste ich die Stute samt Fohlen verladen und schnellstmöglich in die Klinik fahren.
Leider wollte Pauline nicht auf den Hänger.
Beide – Stute und Fohlen – standen unter Schock. Da ich allein war, ließ ich die Stute einfach auf dem Hof laufen und schleppte das Fohlen auf den vorbereiteten Hänger, auf den dann die Mutter im wahrsten Sinne des Wortes auch hinaufgaloppierte.
In der Klinik wurde zunächst eine Schockbehandlung eingeleitet und das Fohlen stabilisiert, die OP wurde für den nächsten Vormittag angesetzt.
Intraoperativ wurden dem Stütchen dann mehrere Knochenfragmente herausgenommen, Drainagen gelegt und das Auge repositioniert. Da der ganze Knochenbogen über dem Auge fehlt, war das auch „kosmetisch“ eine sehr schwere Aufgabe, immerhin muss gewährleistet sein, dass das Pferd das Auge noch schließen kann, um Reizungen und Quälerei zu vermeiden.
An dieser Stelle gilt mein Dank besonders der Tierklinik Großmoor und Dr. Bublitz, der ein kleines medizinisches und kosmetisches Wunder vollbracht hat.
Das eigentlich Problem zeigte sich erst nach der OP. Die Mutter zeigte sich von ihrer strengsten Seite, schubste das Fohlen ständig in der ohnehin kleinen Krankenbox hin und her und ließ es nicht zur Ruhe kommen. Es zeigte erste Erschöpfungszustände, musste zum Trinken von den Tierarzthelferinnen aufgestellt werden. Da uns ein mindestens vierwöchiger Aufenthalt in der Klinik bevorstand, war guter Rat teuer. Die Stute sedieren ging nicht, da das ohnehin schwache Fohlen über die Muttermilch auch beeinträchtigt worden wäre.
In meiner Not habe ich mich an Gabriele Sauerland gewand, und um eine Kommunikation mit der Stute gebeten, damit Pauline versteht, was passiert ist und wie sie sich verhalten sollte, damit ihre Tochter wieder auf die Beine kommt.
Der Medialog hat schnellstens stattgefunden – danke für die Priorität damals! – und die Stute hat erstaunliche Dinge berichtet. Es sei zu hell, war eine Aussage, die ich merkwürdig fand, aber nach Recherchen fand ich heraus, das Pauline unmittelbar vorher randaliert hat, als das Fohlen weggebracht werden sollte und daher mit im OP war, der sehr hell ausgeleuchtet ist.
Wenige Stunden nach dem Medialog berichteten mir die Tierarzthelferinnen, dass sich die Stute beruhigt hätte. Sie stünde neben ihrem Fohlen und würde zwar noch deutliche Zeichen innerer Anspannung zeigen, aber es sähe so aus, als würde sie sich „zusammenreißen“.
Diese Einschätzung konnte ich nur bestätigen, denn bei meinen täglichen Besuchen fand ich die zwei stets ein wenig „ausgeglichener“ vor. An der Haltung kann das nicht gelegen habe, denn es war strikte Boxenruhe verordnet und Pauline ist ein Pferd, das explodiert, wenn es nicht raus kann. Auch die täglichen Spülungen der Drainagen verliefen deutlich ruhiger, Pauline stand so artig wie es in ihrer Macht steht neben ihrer Tochter und war bemüht, nicht „einzugreifen“.
Als ich meine zwei endlich abholen konnte war den Hänger sehen und einsteigen wollen eins. Zuhause angekommen, war auch gleich Wiese erlaubt und sich an der Ausgelassenheit der kleinen Cantenja zu erfreuen, gehört zu den schönsten Erlebnissen, die ich in bezug zu meinen Tieren je hatte.
Wie sehr ihr Leben auf dem Spiel stand, haben mir die Tierärzte erst im Anschluss erzählt. Sehr kritisch sei die hektische Mutterstute gewesen, die sich dann aber doch glücklicherweise schlagartig beruhigt hatte.
Der Effekt des Medialogs hat den ganzen Sommer angehalten. In den nächsten Tagen wird Pauline wieder Mutter werden, ich bin gespannt, wie sie sich verhalten wird. Zur Not muss Frau Sauerland ihr wieder ins pädagogische Gewissen reden, um weitere Unfälle zu vermeiden.
Cantenja jedenfalls scheint mir stets mit ihrem linken etwas hochgezogenen Auge zuzuzwinkern, wenn ich mit Pauline rede und ihr mit meinen bescheidenen Mitteln zu sagen versuche, das Kinder Flügel brauchen...
Michaela Prins
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