Gerne gebe ich hier meine Erfahrungen weiter, denn ich bin heute davon überzeugt, was wir erlebt haben, ist kein Einzelfall, sondern betrifft viele Menschen, die einen Hund aus dem Süden aufnehmen.

Sowohl mein Mann, als auch ich waren recht unbedarft hinsichtlich der Rasse Podenco und von  Mittelmeerkrankheiten hatten wir auch noch nichts gehört.

Heute lese ich einen Satz wie „Podencos kann man nicht besitzen,“ und „ vergessen Sie bei diesem Hund alles, was Sie jemals über Hundeerziehung gehört haben,“ ganz anders und weiss: wie wahr !!

Wie alles begann:

Im April 2001 bekam mein damals 11 Jahre alter Hund Jabbe (ein großer Labrador-Mischling) einen Schlaganfall. Begleitet von vielen körperlichen Symptomen zeigte er auch Gemütsveränderungen. Er wollte nicht mehr spazieren gehen, blieb nicht mehr allein, war ängstlich anderen Hunden gegenüber.

Wir suchten Hilfe und fanden sie bei einem Tierarzt, der sich auf traditionelle chinesische Medizin und Homöopathie für Tiere spezialisiert hat. Mit ihm sprach ich dann auch über Jabbes Verhalten und sein Rat lautete: „Jabbe braucht Ablenkung, er braucht einen Therapeuten!“

Ich schaute ihn etwas fragend an, und er fügte dann hinzu: „viele Hundebesitzer eines alten oder kranken Hundes haben mit einem jüngeren Zweithund positive Erfahrung gemacht!“ Natürlich fühlte Jabbe sich wohl, wenn er mit vielen Hunden zusammen war, sei es, wenn Hunde zu Besuch kamen oder auch in Pflege während eines Urlaubs des Halters für ein paar Tage blieben.

Wir besprachen die Möglichkeit einen Zweithund aufzunehmen und entschieden uns dafür.

Da wir möglichst schnell einen Kameraden für Jabbe wollten, rief mein Mann eine Bekannte an, die in einer großen Tierklinik arbeitet. „Mensch, das passt ja gut, eine Arbeitskollegin von mir arbeitet doch noch bei einem Tierschutzverein mit, die vermitteln Hunde aus Mallorca. Zur Zeit hat sie einen Pflegehund, der soll schnellstmöglich vermittelt werden. Ich rufe sie gleich mal an.“ sagte sie. Schnell kam der Kontakt zustande. Ich dachte damals noch, was Besseres kann einem ja gar nicht passieren, immerhin ist die Vermittlerin Tierarzthelferin, arbeitet beim Tierschutz mit, das kann ja nur gut gehen.

Wir fuhren am nächsten Tag gleich zu ihr. Und dann begegneten wir Urko, unseren Hund aus Mallorca. Er war 1,5 Jahre alt und total abgemagert, hatte rot-beiges zotteliges Fell, ein Steh- ein Schlappohr, einen kupierten Schwanz, lange Beine (das wirkte so, weil er so mager war) sowie wunderschöne bernsteinfarbene Augen.

„Naja, der schönste ist er nicht gerade, aber er ist ein gaaanz toller Hund, er jagt nicht, ist kinderlieb, versteht sich mit allen Hunden und Menschen, ein super Hund.“ erklärte uns die Frau. Ich dachte mir dabei nichts und GOTT-SEI-DANK für Urko, Jabbe liebte Ihn abgöttisch. Sie spielten sofort und Urko wollte gleich mit ins Auto steigen. Die Sache war damit erledigt, Urko sollte es sein. Ein paar Tage später zog er dann auch bei uns ein.

Wir bezahlten die Schutzgebühr, worauf uns die Vermittlerin die Papiere, den Impfpaß und Informationsmaterial über die Tötungsstation in Mallorca, von der er gerettet wurde, übergab. Ich schlug den Impfpaß auf, hatte die letzte Seite gelesen und wunderte mich, dass dort so komische Krankheiten aufgezählt wurden: Leishmaniose, Babesiose, Ehrlichiose usw.  Es war handschriftlich dahinter geschrieben „negativo“ und nur mit einem Praxisstempel ohne Unterschrift abgestempelt.  „Was heißt denn das?“ fragte ich. „Ach das betrifft Euch nicht, das ist nicht schlimm, manche Hunde haben so Krankheiten, aber Urko ist kerngesund!“

Dann war ja alles gut ! – dachten wir, aber es kam anders.

Urko war so temperamentvoll, dass er eine Vier-Zimmer-Wohnung absolut zu klein empfand, die Spaziergänge zu kurz, selbst die tägliche Begleitung beim Marathontraining reichte ihm nicht aus.

Der Wirbelwind Urko war kaum auszulasten. Er war sehr aufgekratzt, nagte die Tapete an, Hausschuhe und Socken und lief im Kreis, fing seinen Schwanz. Er fraß nicht richtig und wenn, dann nur aus der Hand. So versuchte ich ihn aufzupäppeln, kochte Nudeln, Reis, Kartoffeln usw.

Wenn ich mit den Hunden spazieren ging, war es nur chaotisch. Urko war der Meinung, dass man nicht bei Fuß gehen muss und eine Leine eine alberne Anschaffung sei. Der Freilauf endete indem er sich selbstständig machte und den Wald erkundete.

Wer uns kannte, alle Bekannten und Freunde hatten nur einen guten Rat: ‚Bring ihn wieder zurück !‘

Das kam für uns nicht in Frage. Wir hatten uns für Urko entschieden und haben somit die Verantwortung für dieses Tier übernommen, aber es musste doch eine Hilfe geben, einen Rat, eine Lösung ?

Der stürmische Urko sorgte dann für die nächste Aufregung, als er beim ersten Besuch meiner Schwiegermutter an ihr voller Freude hochsprang und sich fröhlich in ihrem Seidenschal festbiss. Das war übrigens nicht das einzige Mal. Er war sonst wirklich ein ganz freundlicher Hund, aber er war eben der Meinung, er müsste jeden begrüßen, der uns auf der Straße entgegenkam und zwar stürmisch !

Für Jabbe wendete sich durch die Aufnahme vieles zum Positiven. Sein Allgemeinzustand verbesserte sich, er spielte wieder und blühte richtig auf.

Dann kamen bei Urko die ersten gesundheitlichen Probleme: offene Stellen, die Ohrränder waren richtig ausgefranst, verkrustet- Er biss sich das Fell von den Beinen, teilweise blutig, hatte immer wieder blutigen Durchfall.

Eines Tages erbrach er Würmer, wir fuhren in die Tierklinik fuhren. Die Ärzte wussten ja, wer Urko ist, da die Tiervermittlerin ihn häufig mit zu Arbeit genommen hat. Urko war massiv verwurmt und als ich die Ärzte auf die komischen Schuppen, die Ohren, die Hautstellen und den Durchfall aufmerksam machte, lautete die Diagnose: „Das sind eindeutig Milben. Kommen sie einmal wöchentlich insgesamt 7 mal zum Spritzen“.

Aber auch nach sieben Wochen blieb die Therapie ohne sichtbaren Erfolg.

Die Vermittlerin war in der Zwischenzeit weggezogen und kümmerte sich nicht mehr um das Schicksal von Urko.

urko_03Im Frühling 2002 fing er auf einmal an zu humpeln. Ein Gelenk am Vorderlauf schwoll an, Urko hatte offensichtlich Schmerzen. Erneuter Besuch in der Klinik. Ich vermutete eine Borreliose, da ich von dieser Krankheit gerade in einer Fernsehsendung erfahren hatte und bat die Tierärzte, eine Untersuchung durchzuführen. Mein Verdacht wurde bestätigt. Nun bekamen er Antibiotika. Wenige Monate später bekam er wieder blutigen Durchfall. Tierklinik. Er hatte mittlerweile über 40 Grad Fieber, konnte kaum mehr laufen und war nicht ansprechbar. Die Ärzte behielten ihn gleich da und waren ratlos, was er jetzt hat. Sie begannen wieder mit einer Antibiotikatherapie und Infusionen.

Es sah wirklich nicht gut aus und man machte uns wenig Hoffnung. Gegen Abend rief ich dann an, aber es war alles unverändert. Sie hatten ihn auch auf alle Mittelmeerkrankheiten getestet. Die Ergebnisse sollten in 4 Tagen da sein.

Ich rief gegen Spätnachmittag wieder in der Klinik an, aber es ging ihm noch schlechter. Wir waren total am Ende. Alle Erlebnisse mit ihm gingen mir durch den Kopf, wie er zu uns kam, wie frech er war, was er alles anstellte, was er für ein Leben vor uns geführt haben muss, wie glücklich er gewesen war als er zu uns kam. Ich nahm mich zusammen und konzentrierte mich auf ihn und sagte ihm mit meinen Gedanken immer wieder „ Urko du darfst  nicht sterben, Du bist noch so jung, Du bist so stark, Du packst das, halte durch!!! Wir brauchen Dich doch!!!“

Am Abend wiederum Telefonat mit der Klinik: Urko sei aufgestanden, habe getrunken und gegessen  und wir sollten ihn am nächsten Tag nach Hause holen !

Er bekam in den nächsten Wochen weiterhin Antibiotika und Cortison. Dann kamen die Blutergebnisse: Leishmaniose und Babesiose positiv. Keiner von den Ärzten hatte eine Ahnung, wie sie behandeln sollten. Zuerst wollten sie die Babesiose behandeln. Dazu nahmen sie Kontakt auf mit dem Tropeninstitut in Berlin. Dort gab es ein Professor, der sich darauf spezialisiert hat. Der war aber im Urlaub. Schließlich erfuhren die Ärzte, dass es ein Medikament gab, zur Injektion.

Es sollte Wochen dauern, bis die Ampullen endlich verfügbar waren. Schließlich war der Professor aus Berlin wieder im Dienst. Er sagte, dass Urko die Krankheit selber besiegt hat, den entweder man stirbt davon, oder man spritzt dieses Medikament.

Mit der Leishmaniose wusste man überhaupt nicht weiter. Ich machte mich im Internet schlau und die Ärzte drauf aufmerksam, dass es die Behandlung mit Allopurinol gibt und eben die Behandlung mit Glucantime. Aber es sollte ein halbes Jahr dauern, bis die Allopurinol Behandlung los ging. In der Zwischenzeit bekam er weiter Cortison.

Eines Tages kratzte er wieder die Krusten von den Ohren. Es blutete und blutete, es war furchtbar. Urko drehte völlig durch, da er merkte, dass etwas nicht stimmt. Er kratzte immer mehr und es hörte gar nicht mehr auf zu bluten. Wir fuhren in die Klinik, alle waren ratlos, er bekam einen Kopfverband, der Horror für Urko.

Urkos Wesen veränderte sich. Er wurde sehr schnell aggressiv. Wenn ihm etwas zu viel wurde, biss er auch mal zu. Er war lustlos, müde und lag nur noch.

Nach vielen Monaten mit Allopurinol ging es ihm langsam besser. Die Haare wuchsen, der Juckreiz liess nach, die Ohren verheilten.

Im Frühling 2004 kam dann der nächste Schub. Er fing wieder an zu humpeln, seine Gelenke schwollen an und wir fuhren in die Tierklinik, allerdings diesmal eine andere.

Hier trafen wir auf Tierärzte, denen die Mittelmerkrankheiten vertraut waren, eine italienische Tierärztin, die ebenfalls einen Leishmaniose positiven Hund hat ! Es folgten neue Untersuchungen und schließlich das Ergebnis: Ehrlichiose positiv. Die vierte Mittelmeerkrankheit. Therapie mit Glucantime, Antibiotika, Allopurinol.

Sein Zustand war furchtbar. Alles war geschwollen, es kam zu einer Wasseransammlung im Bauch, Urko war aufgeschwemmt und verlor Urin. Die weitere Behandlung war fast unmöglich. Nach Rücksprache bekam er eine Akupunkturbehandlung und homöopathische Präparate.

Im Januar 2005 waren wir mit der Behandlung durch. Allopurinol bekommt er auch nicht mehr.

Seit der Behandlung hat sich Urko sehr zum positiven entwickelt. Er ist ein fröhlicher Hund, macht zwar gelegentlich noch Schabernack, welches aber kaum noch stört, es gehört einfach zu seinem Wesen.

Aktualisierung 2008: Die letzten Testergebnisse konnten wir kaum glauben: Leishmaniose negativ!            Urko geht es sehr gut! Er führt ein ganz normales Hundeleben und man merkt ihm (außer der Vernarbungen im Ohr) überhaupt nichts mehr an. Er hat ein tolles Fell bekommen und hat sich insgesamt sehr positiv entwickelt. Trotz allem achte ich natürlich sehr auf eine ausgewogene und gute Ernährung. Mein großer Dank geht hier an meine Tierärzte Dr. Inga Vetrella, Kai Schäfers  und an die Tierheilpraktikerin Gabriele Sauerland, die immer eine offenes Ohr und einen sehr guten Rat für alle „tierischen“ Probleme hat.

Wir haben viel gelernt durch und mit Urko und wir möchten ihn keinen Tag missen. Nachdem Jabbe im Alter von 16 Jahren verstarb war klar: es sollte wieder ein Hund aus dem Süden sein, diesmal wollten wir uns aber vor der Aufnahme schlau machen.

Mittlerweile leben drei “Spanier” mit uns.

Trotz der schlechten Erfahrung mit dem Auslandstierschutz und den Mittelmeerkrankheiten, haben wir uns entschieden, zwei Hunden von dem Verein Podenco in Not e.V. ein Zuhause zu geben.

Dieser Verein hat uns überzeugt und gezeigt, dass es auch anders geht. Mit Aufklärung, Beratung und einem, nach der Adoption der Hunde, weiteren und steten Kontakt.

Das ist Tierschutz mit Verantwortung!

Viele Grüße, Antje F.

 

communicanis sagt: DANKE FÜR DAS TEILEN DIERSER ERFAHRUNG !

linieeule