EIN ENGEL GEHT AUF REISEN....

Loslassen - nur ein kleines Wort. Aber dahinter steckt soviel Gefühl, Erinnerungen, Erfahrungen und der Wunsch etwas nicht hergeben zu wollen. Nach einem langen gemeinsam Weg ,mit allen Höhen und Tiefen,  sollte dieses auf einmal vorbei sein.

Valero hat mich ertragen, getragen, valerogeduldet, getröstet, mich soviel gelehrt und war immer für mich da.

Es ist Wahnsinn sagt der Verstand. Es ist wie es ist, sagt die Liebe.

Ich hatte im November 2007 ein recht seltsames Gefühl, irgend etwas stimmte mit meinem Pferd nicht, er war anders als sonst. Ich konnte es nicht beschreiben, ich wollte einfach Klarheit und so bat ich auch dieses Mal die gute Seele für Tier und Mensch, Frau Sauerland darum, doch bitte eine Kommunikation mit Valero aufzunehmen.

Auf den ersten Blick sah alles ganz gut aus. Er hatte einige Wünsche die ich ihm recht schnell erfüllen konnte. Einige Passagen aus der Kommunikation gaben mir doch zu denken:

‚...noch einmal einen bestimmten Weg gehen.‘

‚...er möchte noch einmal über eine Wiese galoppieren und ich sollte es sehen.‘

‚...er wünschte sich Zeit von mir, ohne auf die Uhr zu sehen.‘

Erfüllt habe ich ihm alles, aber das Gefühl, das etwas nicht stimmt lies mich nicht los. Ich versuchte mit aller Kraft den Gedanken, das er mich verlassen könnte, zu verdrängen. Aber ich spürte in meinem Innersten das der Tag bald kommen würde. Und so kam es dann auch.

Es begann mit einer Kolik, die diesmal anders war als sonst. Und ich fühlte der Tag des endgültigen Abschiedes lässt nicht mehr lange auf sich warten. Um nichts zu tun ohne die Sichtweise meines Pferdes zu wissen, bat ich abermals Frau Sauerland um eine Kommunikation mit Valero.

Es war wichtig für mich zu wissen wie er die ganze Situation sieht, wie er sich fühlt und das alles empfindet. Aus seiner Sicht war es genauso, wie ich es schon lange ahnte.

Angst und Panik stieg in mir auf. Ihn behalten und nicht hergeben wollen – nicht loslassen, was man liebt, wie sollte das nur gehen ?

Es ist Unglück - sagt die Berechnung.

Es ist nichts als Schmerz – sagt die Angst.

Es ist aussichtslos – sagt die Einsicht.

Es ist was es ist sagt die Liebe.

Die Zeit der Stille am Abend im Stall, nur mit ihm. Ich habe soviel gelernt, von ihm bekommen und geben können. Ich bin noch nie einem Tier so nah gewesen wie in den letzten drei Tagen meinem Pferd. Immer wieder seine Blicke, seine fragenden Worte, gehen zu dürfen,  haben mich so überwältigt, das ich seinen Wunsch erfüllen musste. Es ging hier nicht alleine um mich, das darf trotz des großen Schmerzes nicht vergessen werden.

Es ist unmöglich – sagt die Erfahrung

Es ist war es ist sagt die Liebe.

In Absprache mit meiner Tierärztin, nach ihrem erneuten Besuch und ihrem Rat, entschlossen wir uns, das Notwendige zu tun.  Ich habe all meine Kraft zusammengenommen, versucht Ruhe auszustrahlen, habe ihn gehalten und einen Engel am 26. Januar 2008 auf seine große Reise geschickt. Es war gut zu wissen das Frau Sauerland und Frau Carls zwar viele Kilometer weit entfernt, aber in Gedanken ganz nah bei uns waren und die Begleitung von Valero auf einer anderen Ebene zu wissen. Sie habe beide so viel für uns getan, dass es eine große Hilfe  für Valero und für mich war und ist.  Der größte Dank geht an Frau Sauerland für all das, was sie für uns getan hat. Ohne ihr Wissen und die Erfahrungen, die ich in den von mir besuchten Seminaren aufnehmen konnte, hätte ich diesen Abschied so nie geschafft.

Einen Großen Dank geht an meine Tierärztin, die noch zu den wenigen Ärzten gehört, die sich eine Kommunikation mit Tieren vorstellen kann, und auf unsere Wünsche eingegangen ist und sie respektiert hat.

Und natürlich an meinen zweiten Engel Lilly, die immer zur Seite steht und mir von ihrer Stärke immer zum richtigen Zeitpunkt etwas abgibt und mich stärkt, wenn es schwer ist.

Hilfreich war mir auch die weitere Begleitung von Valero, während seines Übergangs, der Austausch zwischen Fr. S. und mir und das Gefühl, ihn noch ein Stück auf seinem Weg begleiten zu können.

Das der Zeitpunkt der Reise genau im rechten Augenblick war, dass er mir soviel Liebe und Dankbarkeit gegeben hat und vor allem das es so wie es war, genau richtig war -  schön zu wissen das es ihm gut geht. Mit diesen Gedanken und dem Wissen, dass er glücklich ist, bin auch ich glücklich und kann loslassen.

...und meine Tränen wünschen ihm Glück.

Renate Dimter und Lilly